
Vom 12 Millionen Jahre alten Vulkan bis zur Rekordsaison der Meeresschildkröten: Diese Fakten über Fernando de Noronha zeigen in 10 Punkten, warum sich ein Besuch auf dem Archipel lohnt
Fernando de Noronha ist ein vulkanischer Archipel aus 21 Inseln im äquatorialen Atlantik, rund 345 km vor der Nordostküste Brasiliens, und gehört zum Bundesstaat Pernambuco. Bewohnt ist nur die Hauptinsel. Etwa 70 % der Land- und Meeresfläche stehen in einem Meeresnationalpark unter Schutz, der seit 2001 offiziell als UNESCO-Welterbe anerkannt ist.
Mit den Fakten über Fernando de Noronha im Hinterkopf verstehst du den Ort besser: seine Geschichte, die reiche Tierwelt und die Naturschutzprojekte. Neugierig, was sich auf dieser Insel verbirgt?
PlanetaEXO, eine auf Reisen nach Fernando de Noronha spezialisierte Ökotourismus-Plattform, hat 10 Fakten zusammengestellt, die du kennen solltest, bevor du deine Reise buchst. Los geht’s!

1. Ein vulkanischer Archipel aus 21 Inseln, bis zu 12 Millionen Jahre alt
Insgesamt misst der Archipel 26 km², verteilt auf 21 Inseln, Inselchen und Felsen. Rund 17 km² davon entfallen auf die Insel Fernando de Noronha selbst, die als einzige bewohnt ist. Die übrigen sind unbewohnt, dort nisten Seevögel in Kolonien.
Die Inseln sind die sichtbare Spitze eines erloschenen Vulkansystems. In der Geologie unterscheidet man zwei Hauptphasen des Vulkanismus: die ältere Remédios-Formation, deren ältestes datiertes Gestein rund 12,3 Millionen Jahre alt ist, und die jüngere Quixaba-Formation, die vor etwa 3,3 bis 1,7 Millionen Jahren aktiv war.
Aus diesen Lavaströmen und erstarrten Vulkanschloten sind die dunklen Klippen und Felsnadeln entstanden, etwa der Morro do Pico.
2. Näher an Afrika als an São Paulo
Wo liegt Fernando de Noronha genau? Bis zum nächsten Punkt auf dem Festland, dem Cabo de São Roque in Rio Grande do Norte, sind es 345 km. Nach Natal sind es 361 km, nach Recife 545 km.
Der Archipel Fernando de Noronha liegt rund 2.600 km von Afrika entfernt. Bis São Paulo ist es weiter (2.772 km), ebenso bis Curitiba oder Porto Alegre im Süden Brasiliens. Dazu kommt der Südäquatorialstrom: Er fließt westwärts über den Atlantik und umspült die Inseln mit etwa 26–27 °C warmem Wasser.

Eine verbreitete Behauptung stimmt allerdings nicht: Fernando de Noronha ist nicht der östlichste Punkt Brasiliens. Auf dem Festland gebührt dieser Titel der Ponta do Seixas in Paraíba. Zählt man die Inseln mit, gehört das östlichste Staatsgebiet zur Inselgruppe Martim Vaz, einem Teil des Archipels Trindade und Martim Vaz, der weiter östlich im Atlantik vor der Küste von Espírito Santo liegt.
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3. Die BR-363 ist die einzige Bundesstraße auf einer ozeanischen Insel
Die Insel Noronha hat eine eigene Bundesstraße. Nach Angaben des DNIT, der brasilianischen Bundesbehörde für Verkehrsinfrastruktur, führt die BR-363 vom Hafen Santo Antônio bis zur Baía do Sueste, insgesamt 6,8 km.
Das DNIT bezeichnet sie als kürzeste Fernstraße im Nordosten Brasiliens und einzige auf einer ozeanischen Insel. Oft liest man auch, sie sei die kürzeste Bundesstraße des ganzen Landes. Dieser Superlativ ist allerdings umstritten.
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4. Von Brasiliens erster Kapitanie zur Gefängnisinsel
Die dokumentierte Geschichte von Fernando de Noronha beginnt 1503, als eine portugiesische Expedition die Inseln sichtete. Schon 1504 übertrug König Manuel I. sie dem Kaufmann Fernão de Loronha als Kapitanie São João, Brasiliens erste erbliche Kapitanie. Loronha selbst ließ sich dort nie nieder, seinen Namen trägt der Archipel trotzdem bis heute.
Fest unter portugiesische Kontrolle kamen die Inseln erst 1737. Portugal errichtete ein Verteidigungssystem aus 10 Festungen und machte die Insel zur Strafkolonie. Rund zwei Jahrhunderte blieb sie ein Gefängnis, bis 1938 ein gewöhnliches, danach ein Gefängnis für politische Häftlinge.

Mitten im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1942, erklärte Brasilien Fernando de Noronha zum Bundesterritorium. Die Häftlinge wurden auf die Ilha Grande verlegt, und nahe der Baía do Sueste entstand ein Marinestützpunkt der USA.
Danach verwaltete jahrzehntelang das Militär die Inseln, zuerst das Heer, später die Luftwaffe und der Generalstab der Streitkräfte. Das endete 1988, als die neue brasilianische Verfassung die Inselgruppe Fernando de Noronha an Pernambuco zurückgab. Im selben Jahr wurde der größte Teil davon zum Nationalpark.
5. UNESCO-Welterbe und kontrollierte Besucherzahlen
Im Jahr 2001 nahm die UNESCO Fernando de Noronha in ihre Welterbeliste auf, gemeinsam mit dem Atoll das Rocas, unter dem Titel „Brasilianische Atlantikinseln: Schutzgebiete Fernando de Noronha und Atoll das Rocas“. Gewürdigt wurden die natürliche Schönheit, die ökologischen Prozesse ozeanischer Inseln und ihre Bedeutung für bedrohte Arten.

Kern dieses Schutzes ist der Nationalpark Fernando de Noronha, offiziell ein Meeresnationalpark. Gegründet wurde er 1988, verwaltet wird er vom ICMBio, der brasilianischen Bundesbehörde für Schutzgebiete. An Land und im Meer umfasst er rund 70 % des Archipels. Das bewohnte Gebiet liegt in einem Umweltschutzgebiet mit weniger strengen Regeln.
Im Park liegt auch die Baía do Sancho, die bei den Travelers’ Choice Awards von Tripadvisor sechsmal zum besten Strand der Welt gekürt wurde (2014, 2015, 2017, 2019, 2020 und 2023).

Damit das so bleibt, begrenzt eine Vereinbarung zwischen dem ICMBio und Pernambuco die Besuche auf 132.000 pro Jahr und 11.000 pro Monat. Sie legt außerdem zwei Gebühren fest, die regelmäßig angepasst werden:
- Umweltschutzgebühr (TPA): R$ 105,79 für einen Tag und R$ 901,36 für 10 Tage.
- Ticket für den Nationalpark: R$ 384 für ausländische Gäste und R$ 192 für Brasilianerinnen und Brasilianer (10 Tage gültig).
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6. Etwas mehr als 3.000 Menschen und (fast) keine Geburten auf der Insel
Die brasilianische Volkszählung von 2022 kam auf 3.167 Menschen, nach 2.630 im Jahr 2010. Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner auf Fernando de Noronha ist damit in 12 Jahren um rund 20 % gewachsen, und sie alle leben auf der Hauptinsel.
Unter den Fakten über Fernando de Noronha gibt es einen ungewöhnlichen, der direkt mit der Einwohnerzahl zusammenhängt: Auf der Insel werden Geburten vermieden. Seit 2004 ist die Geburtsstation des Hospital São Lucas geschlossen. Schwangere, die auf der Insel leben, sollen um die 28. Woche (im siebten Monat) zur Entbindung aufs Festland reisen, die Kosten trägt die öffentliche Hand.
Das ist eine medizinische Richtlinie, kein Gesetz, und Notfälle gibt es trotzdem: Im Juli 2026 brachte eine Frau auf Noronha in der 41. Woche ein Kind zur Welt.
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7. Dank endemischer Arten trägt der Archipel den Spitznamen „Galápagos Brasiliens“
Wie die Galápagosinseln hat sich Noronha isoliert entwickelt, und ein Teil der Tierwelt kommt nirgendwo sonst vor. „Galápagos Brasiliens“ ist ein Spitzname aus den Medien und kein offizieller Titel, die endemischen Arten dahinter gibt es aber wirklich. Zur Fauna von Fernando de Noronha gehören:
- Noronha-Elaenie (Elaenia ridleyana): ein kleiner Vogel aus der Familie der Tyrannen, der nur auf dem Archipel vorkommt.
- Noronha-Vireo (Vireo gracilirostris): ein Singvogel, den BirdLife International als gefährdet einstuft.
- Noronha-Skink (Trachylepis atlantica): die Eidechse, die du oft beim Sonnenbaden auf Felsen und Wanderwegen siehst.
- 10 endemische Rifffischarten hat die Distriktverwaltung bei ihrer Erhebung der Meeresfauna gezählt. Dazu gehören eine Putzergrundel (Elacatinus phthirophagus), die es nirgendwo sonst auf der Erde gibt, und ein Riffbarsch (Stegastes rocasensis), der vor allem rund um Noronha und das nahe Atoll das Rocas lebt.
Der Archipel beherbergt zudem eine der größten Brutkolonien von Seevögeln im tropischen Südatlantik. Rotfußtölpel, Weißbauchtölpel, Fregattvögel und Tropikvögel nisten an seinen Klippen und auf den kleinen vorgelagerten Inseln.

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8. Delfine, Haie und Meeresschildkröten
Noch etwas Wissenswertes über Fernando de Noronha: Ein großer Teil der Gäste kommt wegen der reichen Meeresfauna, vor allem Menschen, die beruflich oder in ihrer Freizeit tauchen. Drei Tiergruppen lohnen einen genaueren Blick.

Spinnerdelfine
Nach der nächtlichen Jagd auf offener See ziehen sich die Spinnerdelfine von Fernando de Noronha zum Ausruhen in die Baía dos Golfinhos zurück.
Forschende des Projeto Golfinho Rotador haben zwischen 1991 und 2015 dokumentiert, dass die Tiere an 94 % der Tage in die Bucht kamen. Die Gruppen umfassten 2 bis 2.719 Tiere, im Schnitt waren es 284 pro Tag. UNESCO und IUCN sprechen von der größten bekannten Population ortstreuer Delfine der Welt.
In der Baía dos Golfinhos sind Schwimmen und Boote streng verboten. Beobachten kannst du die Delfine trotzdem, und zwar frühmorgens vom Aussichtspunkt Mirante dos Golfinhos oben auf der Klippe.

Haie
Die häufigsten Haie in Fernando de Noronha sind Ammenhaie, Zitronenhaie und Karibische Riffhaie. Weil die Gewässer rund um die Inseln eine wichtige Kinderstube für junge Haie sind, gehören Begegnungen mit ihnen beim Schnorcheln wie beim Gerätetauchen regelmäßig zu den Höhepunkten.

Angriffe auf Menschen sind selten, denk aber daran, dass es Wildtiere sind. Haie lassen in der Regel alle in Ruhe, solange niemand sie stört. Beim Tauchen gilt deshalb: Halte Abstand und folge den Anweisungen deiner Tauchleitung.
Meeresschildkröten
Rund um Fernando de Noronha leben zwei Arten von Meeresschildkröten. Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) kommen von Dezember bis Juni oder Juli zur Eiablage an Land, vor allem an der Praia do Leão. Die Saison 2024/25 stellte einen Rekord auf: mehr als 766 Nester, der höchste Wert seit Beginn des Monitorings 1994.
Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) nisten hier nicht. Jungtiere suchen aber an den Riffen nach Nahrung, deshalb begegnest du ihnen beim Schnorcheln oft. Nach einem Rückgang von über 80 % in drei Generationen stuft die IUCN die Art als vom Aussterben bedroht ein, entsprechend streng ist sie geschützt.

Gut zu wissen: Die Praia do Leão, der wichtigste Nistplatz der Grünen Meeresschildkröten, ist nachts gesperrt, und ab 17 Uhr ist der Zugang eingeschränkt.
9. Schiffswracks und Korallenriffe
Unter Wasser zählt die Distriktverwaltung 169 Rifffischarten und 11 Korallenarten. Zwischen den Riffen von Noronha liegen außerdem einige der bekanntesten Tauchwracks Brasiliens.
Das berühmteste Wrack ist die Corveta Ipiranga V-17, eine Korvette der brasilianischen Marine. Im Oktober 1983 lief sie auf die Unterwasserfelsen Cabeço da Sapata und sank innerhalb von etwa acht Stunden, Todesopfer gab es keine. Heute liegt sie aufrecht in 55–62 Metern Tiefe, erreichbar nur mit einem technischen Tauchgang für speziell ausgebildete Taucherinnen und Taucher.
Viel näher an der Oberfläche liegen in der Baía de Santo Antônio zwei griechische Schiffe nebeneinander: die Eleni Stathatos, die 1929 auf Grund lief, und die Maria Stathatos, die 1937 im Hafen ausbrannte. Beide ruhen in 1 bis 8 Metern Tiefe.
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10. Plastikfreie Insel auf dem Weg zu sauberer Energie
Im Dezember 2018 unterzeichnete die Distriktverwaltung das Dekret Noronha Plástico Zero, das im April 2019 in Kraft trat. Seitdem sind Verkauf und Nutzung von Einwegplastik auf der Insel verboten, darunter Strohhalme, Becher, Teller, Besteck, Plastiktüten, Essensbehälter aus Styropor und Plastikflaschen unter 500 ml.

Schwieriger ist die Energiefrage. Der größte Teil des Stroms auf der Insel kommt noch immer aus dem Wärmekraftwerk Tubarão, das Diesel und Biodiesel verbrennt. Die Solaranlagen Noronha I und II liefern rund 10 %.
Doch das ändert sich gerade. Das Projekt Noronha Verde unter Leitung des Energieversorgers Neoenergia kombiniert 22 MWp Solarmodule mit einem Batteriespeicher von 49 MWh. Die ersten Module speisen seit Mai 2026 im Testbetrieb ins Netz ein, der Vollbetrieb ist für 2027 geplant. Das Ziel: 100 % erneuerbarer Strom.
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