
Wind und Regen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Dünen und Lagunen im Lençóis-Maranhenses-Nationalpark
Der Lençóis-Maranhenses-Nationalpark ist ein Naturwunder, in dem Sanddünen und Lagunen durch ein faszinierendes Zusammenspiel aus Wind und Regen entstehen, das eine einzigartige Landschaft schafft, wie es sie sonst nirgendwo auf der Welt gibt.

Weil sich die Landschaft je nach Jahreszeit verändert, fragen sich viele Reisende, wie dieses Naturwunder entstanden ist. Rund zwei Drittel des Parks sind von wandernden Sanddünen bedeckt, die von oben an Bettlaken erinnern. Daher der portugiesische Name „Lençóis“. Dieses Nebeneinander aus einem riesigen Sandfeld und tausenden Lagunen hat der Region den Beinamen „Wüste der tausend Seen“ eingebracht. Seine Schönheit und Seltenheit brachten dem Park 2024 den Status als UNESCO-Weltnaturerbe ein.
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Wie entstehen die Dünen der Lençóis Maranhenses?
Die Dünen der Lençóis Maranhenses sind das Ergebnis äolischer Erosion, eines natürlichen Prozesses, bei dem der Wind die Erdoberfläche formt, indem er Boden- und Gesteinspartikel abträgt, transportiert und abschleift, besonders in trockenen, küstennahen oder vegetationsarmen Gebieten.

Kräftige Küstenwinde vom Atlantik tragen feine Sandpartikel ins Landesinnere, wo die Topografie der Region sie festhält und anhäuft. Mit der Zeit türmt sich dieser Sand zu gewaltigen Sandhügeln auf, die bis zu 40 Meter hoch werden können. Vom ständigen Wind geformt, nehmen diese Dünen sanfte, sichelartige Formen an und bleiben in permanenter Bewegung, was der Landschaft einen dynamischen, sich ständig wandelnden Charakter verleiht.
Forscher gehen davon aus, dass das Gebiet des Nationalparks vor 10.000 Jahren vom Meer bedeckt war. Als sich der Ozean nach und nach zurückzog, wichen die Fluten zuerst Mangrovenwäldern und schließlich den weiten Dünenfeldern, die wir heute sehen.

Ein großer Teil des Sandes im Park stammt vom Rio Parnaíba, der Sedimente Richtung Meer transportiert, während Meeresströmungen sie wieder zur Küste zurückdrücken. Dieses ständige Zusammenspiel aus Flusslauf, Gezeiten und Meeresströmungen ließ den Sand sich ansammeln und formte so das einzigartige Ökosystem der Lençóis Maranhenses.
Die Dünen sind alles andere als statisch. Weil der Wind sie ständig umformt, vollführen sie das, was die Einheimischen poetisch den „Tanz der Dünen“ nennen. Besonders gut zu sehen ist dieses Phänomen in der Trockenzeit (Juli bis Dezember), wenn stärkere Winde und niedrigere Wasserstände in den Lagunen die Bewegung noch deutlicher machen.
Aktive und inaktive Dünen der Lençóis Maranhenses, Brasilien
In den Lençóis Maranhenses verhalten sich nicht alle Dünen gleich. Ob eine Düne aktiv oder inaktiv ist, hängt davon ab, ob Vegetation vorhanden ist oder nicht.

Manche Dünen gelten als inaktiv, das heißt, sie bleiben dank der umliegenden Vegetation an Ort und Stelle. Die einheimischen Pflanzen befestigen den Sand und bilden eine natürliche Decke, die den Wind daran hindert, die Düne zu verschieben, wodurch sie stabiler und fester verankert bleibt.
Aktive Dünen dagegen sind ständig in Bewegung, und zwar durch die Kraft des Windes, den Regen und das Fehlen von Vegetation in der Nähe, sodass der Sand „tanzen“ kann.
Können die Dünen verschwinden?
Forscher halten ein vollständiges Verschwinden der Dünen der Lençóis Maranhenses für unwahrscheinlich. Einige Faktoren könnten ihre Entstehung jedoch stark verändern und schwere Folgen für Umwelt und Gesellschaft haben.
Eine der größten Sorgen ist der ungeplante Bau von Windparks, denn solche Anlagen können die Windmuster verändern und die Anordnung der Dünen direkt beeinflussen. Hinzu kommt der Klimawandel, der eine zentrale Rolle spielt, weil er das Verhalten von Regen und Wind verändern kann.
👉 Mehr dazu: Wie kommst du nach Lençóis Maranhenses?
Wie entstehen die Lagunen der Lençóis Maranhenses?
Die kristallklaren Lagunen der Lençóis Maranhenses entstehen durch die großen Regenmengen, die in der Region niedergehen, bis zu 2.000 Millimeter pro Jahr, vor allem zwischen Januar und Juni.

In der Regenzeit versickert der Regen schnell im Sand, wodurch der Grundwasserspiegel über die Oberfläche steigt und die temporären Lagunen zwischen den Dünen füllt.
Das eigentliche Geheimnis hinter der Entstehung und dem Erhalt der Lagunen liegt aber in der Mischung aus Sand und Ton im Boden. Mit der Zeit hat diese Kombination Eigenschaften entwickelt, die einem schwammartigen Gestein ähneln und das Wasser nur langsam entweichen lassen, was die Lebensdauer der Lagunen verlängert.
Regenwasser sammelt sich in den Senken zwischen den Dünen und bildet tausende kristallklare Becken, die rund einen Meter tief werden können. Beliebte Lagunen wie die Lagoa Azul und die Lagoa Bonita geben einen einmaligen Blick auf dieses Phänomen frei, während die Luftfeuchtigkeit zugleich verhindert, dass die Dünen wandern.
Können die Lagunen austrocknen?
Die Regenlagunen im Lençóis-Maranhenses-Nationalpark beginnen zwischen Oktober und Januar zu schrumpfen. Sobald der Regen aufhört und die Sonne die Oberhand gewinnt, verdunstet das Wasser in den kleineren Lagunen vollständig, während die größeren, tieferen es länger halten können.

Dieser jahreszeitliche Wechsel verändert nicht nur das Landschaftsbild, sondern wirkt sich auch auf das Klima aus. Gegen Ende des zweiten Halbjahres kehren die stärksten Winde zurück und lassen die Dünen schneller wachsen und wandern.
So schön volle Lagunen das ganze Jahr über auch wären, für das Ökosystem ist es entscheidend, dass sie regelmäßig austrocknen. Ständige Wasseransammlung würde zusammen mit der örtlichen Vegetation und organischem Material sonst zu übermäßigem Algenwachstum führen, das Wasser schleimig und die Lagunen zum Baden ungeeignet machen.
👉 Mehr dazu: 10 Fakten über die Lençóis Maranhenses
Wetter und Jahreszeiten: die beste Reisezeit für die Dünen und Lagunen der Lençóis Maranhenses
Die beste Reisezeit für die Lençóis Maranhenses liegt zwischen Mai und September, wenn die Regenzeit gerade zu Ende ist und die Lagunen ihren Höchststand erreichen.

Das Wetter ist in dieser Zeit sonnig, regenfrei und angenehm mild, ideal für Wanderungen durch den Park und ein erfrischendes Bad in den Lagunen.
Zwar gilt der Beginn der Trockenzeit als ideale Reisezeit, doch jeder Monat hat seinen eigenen Reiz. Ob die prallen Lagunen der Regenzeit oder die riesigen Dünenformationen der Trockenzeit, die Lençóis Maranhenses überraschen immer wieder.
👉 Mehr dazu: Wann ist die beste Reisezeit für die Lençóis Maranhenses?
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